Die Vielen

NRW Erklärung der Vielen

Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt

Vom 21. – 24.3.19 findet am Theater an der Ruhr ein bundesweites Arbeitstreffen mit dem Titel POST-HEIMAT zu den Themen Flucht, Migration und Diversität statt. Das Treffen ist nach einem ersten Zusammenkommen an den Münchner Kammerspielen 2018 bereits das zweite seiner Art und soll in eine Netzwerkgründung führen. Die Gründung kann auch im Kontext der Initiative DER VIELEN gesehen werden. Es führt neben den Gruppen BOAT PEOPLE PROJEKT (Göttingen), COLLECTIVE MA'LOUBA (Mülheim an der Ruhr), EXIL ENSEMBLE (Berlin), HAJUSOM (Hamburg), OPEN BORDER ENSEMBLE (München) und RUHRORTER (Mülheim an der Ruhr) weitere Künstler*innen und Wissenschaftler*innen, sowie Gruppen und Initiativen aus NRW zusammen, deren Theaterarbeit in besonderer Weise mit Herausforderungen durch Migration und Exil verknüpft ist. Das entstehende Netzwerk soll eine wissenschaftliche und kulturpolitische Begleitung und Reflexion der Arbeiten der einzelnen Gruppen sowie des gesamten Netzwerks ermöglichen, um die Erfahrungen modellhaft nutzbar zu machen und der Öffentlichkeit durch Symposien, Podiumsdiskussionen und digitale bzw. gedruckte Publikationen zur Verfügung zu stellen.

Langfristige und nachhaltige Ziele der von der Kulturstiftung des Bundes und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW geförderten und in NRW vom Kooperationspartner Interkultur Ruhr unterstützten Initiative sind Einfluss auf die strukturellen Defizite der deutschen Theaterlandschaft zu nehmen, Diskriminierung und Rassismus innerhalb der Theaterinstitutionen abzubauen sowie die Spielpläne und Inszenierungen der deutschen Theater vielgesichtiger, interkultureller und der Gesellschaft entsprechend repräsentativer zu gestalten.

Die zweimal jährlich stattfindenden Arbeitstreffen gastieren in Deutschland in wechselnden Städten und das Netzwerk soll stetig um weitere Mitglieder wachsen und sich zunehmend mit verwandten Initiativen verbinden. Der utopische Gedanke hinter der Netzwerkgründung sieht eine Auflösung des Netzwerks vor, wenn sich seine Ziele in einer dauerhaft veränderten transkulturellen Theaterlandschaft in Deutschland verwirklicht haben.

 

ERKLÄRUNG DER VIELEN NRW

Als Kulturschaffende in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. In diesem Land wurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Kunstschaffende.

Heute begreifen wir die Kunst- und Kultureinrichtungen als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich so im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten!
Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur.
Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit allen Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

Wir als Unterzeichnende der NRW Kunst- und Kultureinrichtungen, ihrer Interessensverbände und freien Kunst- und Kulturschaffenden begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:

  • Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über rechte Strategien. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.
  • Alle Unterzeichnenden bieten kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.
  • Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
  • Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Rassismus ist Alltag. Rechtsextremismus ist ein Symptom davon. Dieses Bündnis will nicht nur Symptome bekämpfen, sondern in die Tiefe wirken. Wir setzen uns deswegen mit den eigenen Strukturen auseinander und stellen diese zur Verhandlung. Wir müssen die Kunst- und Kulturräume sowie unsere Gesellschaft öffnen, damit wir wirklich Viele werden!

Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!