König Ubu # Am Königsweg

Friederike Felbeck, nachtkritik.de

Der Inszenierung gelingt es, die manchmal abstrakten und assoziativen Texte einzelnen Figuren zuzuordnen und in ihnen zu entwickeln – mal chronisch, mal individuell. Die Zuschauer sind eingeladen, hinter die Kulissen der Macht zu schauen, wo es unappetitlich, fahrlässig blutig und unmenschlich zugeht.

Wolfgang Platzeck, Westdeutsche Allgemeine Zeitung 20. November 2017

Geht es doch um gesellschaftliche Entwicklungen, die kaum noch zu stoppen sind. Wenn die Saat blinder Rücksichtslosigkeit und Gewalt erst einmal, öffentlich verkündet oder medial gezwitschert, gelegt ist, treibt sie Früchte auch ohne Zutun des Sähmanns. Vom Boden bis zu den Wandbehängen erstrahlt die Bühne (Ramallah Aubrecht) als goldener Palast. In diesem festlichen Rahmen, der durch Händels leitmotivisch eingesetzte Königshymne „Zadok the Priest“ erweitert wird, treibt Preuss das grandios aufspielende Ensemble (Simone Thoma, Klaus Herzog, Fabio Menéndez, Thomas Schweiberer, Rupert Seidl) mit viel Fantasie und Spaß am Urkomischen im Todersten durch den Abend.

Steffen Tost, NRZ 20. November 2017

Unter dem Feinripp-Unterhemd kommt ein aufgequollenes Gesicht zum Vorschein. Die Brustwarzen als Augen, der geschminkte Bauchnabel als Mund und dazu zwei Kringel als Nasen – fertig ist der feiste und an Flatulenz leidende König Ubu, dem Thomas Schweiberer mit jeder Bauchmuskelregung größere Widerwertigkeit verleiht. Überdimensional ist dieser über Leichen gehende Widerling regelmäßig auf einem weißen, als Projektionsfläche dienenden Vorhang zu sehen. Es ist eine klare Abgrenzung zu den Passagen aus Elfriede Jelineks „Am Königsweg“, ihrem neuesten Stück, in dem sie sich an Donald Trump, dem Populismus und den sozialen Medien abarbeitet.

Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung 24. November 2017

Das kommt gut. Anders gut. Regie führte Philipp Preuss, der seine Inszenierung „König Ubu # Am Königsweg“ nennt, weil er Jelineks Text mit Alfred Jarrys Groteske „König Ubu“ verschneidet (Dramaturgie: Helmut Schäfer). Das möchte man zunächst für überflüssig halten, man hat mit Jelineks Wortwutschwall schon genug zu tun. Aber nein, die Szenen mit Jarrys extra ordinärem Machtungeheuer sind als solche klar gekennzeichnet und tragen wie heitere Zwischenspiele viel zum Witz und der Lässigkeit des Abends bei. […] Preuss findet da schöne Bildmetaphern, inszeniert einen Shitstorm aus Airbrush-Maschinen, spielt Vogelgezwitscher (Twitter!) ein und gruppiert die Männerrunde schließlich wie Urzeitmenschen um ein Lagerfeuer- zum Opferkult.