Quartett

Stefan Keim, Eric Brinkmann, Westart 05. Februar 2018

Es ist ein kurzes, aber gewaltiges Stück: das "Quartett" von Heiner Müller, einem der einflussreichsten Dramatiker der DDR. Vorlage war der Briefroman "Gefährliche Liebschaften" von Choderlos de Laclos über die Dekadenz des Adels. Heiner Müller hat die Geschichte zugespitzt und lässt auf der Bühne nur zwei Personen – die Marquise Merteuil und ihren ehemaligen Geliebten Vicomte Valmont – aufeinandertreffen.

Es geht um den Krieg der Geschlechter, um Sex und Begierde, um Ausbeutung und Dominanz. Roberto Ciulli hat das "Quartett" in Mülheim im Theater an der Ruhr inszeniert. Jubril Sulaimon und Petra von der Beek spielen die Hauptrollen in dem gnadenlosen Zweikampf. Unser Theaterkritiker Stefan Keim hat ihn sich angeschaut.

Jens Dirksen, Westdeutsche Allgemeine Zeitung 28. Januar 2018

Zum Tröpfeln der Klavierklänge von Avo Pärt geht allmählich die Sonne auf, die finale Schlacht im Liebeskrieg zwischen Valmont und Merteuil kann beginnen. In Zeiten der „#MeToo“-Debatte fällt allerdings erst recht auf, wie gleichberechtigt immerhin Männer und Frauen des Hochadels in ihrer Dekadenz schon waren. Roberto Ciulli erhöht das Konfliktpotenzial, indem er den Vicomte mit dem nigerianischen Schauspieler Jubril Sulaimon besetzt: Da scheint es dann plötzlich auch um Ausbeutung und kulturelle Dominanz, um Abziehbilder und einen Konflikt der Kontinente zu gehen.

Günther Hennecke, theaterpur.net 29. Januar 2018

Es wird ein Spiel, in dem beide immer wieder die Rollen wechseln, sich auf dem Boden nahe kommen, den Fantasien des jeweils anderen freien Raum lassen – und sich zu neuen, wenn auch rein fiktiven Gedankenspielen aufreizen. Valmont wird, angestachelt von der Marquis, deren jungfräuliche Nichte verführen. Dass beide in die jeweilige Rolle des anderen schlüpfen, ist dabei ebenso verwirrend wie dem Sarkasmus des Spiels entsprechend. Dann brechen afrikanische Rituale in die adlig-manierierte Szene, wenn Valmont, in der Gestalt des schwarzen Nigerianers Jubril Sulaimon, die Marquise Petra von der Beek beschwörend umtanz. […] Einmal mehr zeigt sich darin der große Theater-Magier Roberto Ciulli, der trotz aller Tristesse und vermeintlich schamloser Brutalität der Hoffnung immer eine Chance gibt.