Repertoire

Das Wintermärchen

William Shakespeare
Dauer: ca. 110 Min.

Hermione gelingt es, Polixenes, den König von Böhmen, zum Bleiben zu überreden. Ihrem Mann Leontes, König von Sizilien, war dies zuvor misslungen. Er beobachtet, wie beide sich unterhalten und wird plötzlich von einer Eifersucht erfasst, die die Grenzen zivilen Verhaltens sprengt. Infolge ihrer Verhaftung stirbt Hermione, kurz zuvor gebar sie noch eine Tochter, ihr Sohn stirbt vor Kummer. Polixenes kann fliehen, der Säugling wird ausgesetzt. Tabula rasa. Das 1609 entstandene Stück thematisiert die Liebe in ihrer widersprüchlichsten Form: der Zerstörung. Was Freud dreihundert Jahre später als Aggressionstriebe beschrieb, führt Shakespeare schon in seinem Wintermärchen vor. Aber es handelt sich dennoch um ein Märchen, denn in Böhmen, das bei Shakespeare am Meer liegt, beginnt sich das Schicksal zu wenden. Der Säugling heißt jetzt Perdita und selbstverständlich ist Florizel, der Sohn Polixenes', in sie verliebt, so dass sich zum Ende hin alles zum scheinbar Guten auflöst und selbst Hermione als Statue nach sechzehn Jahren wieder zum Leben erwacht.

Stimmen

Günther Hennecke, Osnabrücker Zeitung, 18. Dezember 2014

In die lange vor Hass brodelnde Stimmung, die Ciulli nur selten verbal explodieren lässt, meist nur durch spannungsgeladene Pausen, Blicke und Körperhaltungen des grandiosen Ensembles kenntlich macht, überrascht seine Inszenierung einmal mehr mit verblüffenden Einzelszenen. Clowneske Einsprengsel halten sie zudem durchgehend in einer märchenhaften Schwebe. Das ist oft zum Heulen, aber ebenso oft zum Lachen. Ciulli stellt die Figuren dabei nie bloß oder verurteilt sie. Ein großer Menschenfreund auch in dieser Inszenierung.

Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Dezember 2014

Der Regisseur Ciulli aber lässt sein altmeisterliches Können aufblitzen und beweist eine kreative Lust am Einsatz mit Puppen, Masken, Requisiten: Die Szenenfragmente werden atmosphärisch dicht, detailreich und intensiv gespielt, das „tragikomische Romanzendrama“ am Ende als Kindertheater resümiert. Vor Shakespeares verwickeltem Drama hat Ciulli phantasievoll kapituliert, die Mülheimer Inszenierung kommentiert es nur. Auf dessen Alterswerk antwortet der achtzig Jahre alte Regisseur mit einem eigenen Alterswerk.

Steffen Tost, Neue Ruhr Zeitung, 13. Dezember 2014

Die Geschichte über Liebe, Aggression und Reue hat Ciulli aus William Shakespeares 1609 entstandenen Stück geschält und eine vertrackte Aktualisierung gewagt. Das Wagnis ist gelungen. Das liegt zum einen an der klugen Spielfassung, die Helmut Schäfer aus dem knapp 100 Seiten und 20 Personen umfassenden Text entwickelt hat, aber auch an den Schauspielern, allen voran Dagmar Geppert. Es ist die Vielzahl der Einfälle, die den Abend zum Erlebnis machen: Das Geschirrtuch, das flugs zum Baby umfunktioniert wird, die sizilianische Marionette, die den Hirten in Kurzform die Geschichte erzählt, der Böhme mit der Wolfsmaske, der die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Perdita, der Verstoßenen, die bei den Schäfern aufwächst, und seinem Sohn Florizel gewaltsam unterbinden will, ehe er merkt, das auch sie eine Prinzessin ist und ein grotesker Totentanz.

Stefan Keim, WDR 3 Mosaik, 12. Dezember 2014

Die Besprechung von Stefan Keim auf WDR 3 können Sie [**hier nachhören**](http://www.wdr3.de/buehne/wintermaerchen100.html)

Besetzung

Volker Roos
Der Alte Leontes
Fabio Menéndez
Der Junge Leontes
Dagmar Geppert
Hermione / Perdita
Simone Thoma
Mamillius / Florizel
Albert Bork
Polixenes
Steffen Reuber
Antigonus / Autolycus
Matthias Flake
Der Tod

Team

Matthias Flake
Musik
Suzana Schönwald
Maske
Dijana Brnic
Regieassistenz