Wilhelm Genazino
Der Hausschrat
Inszenierung: Roberto Ciulli
Dramaturgie: Sven Schlötcke
Bühnenbild: Gralf-Edzard Habben
Kostüme: Heinke Stork
Lichtgestaltung: Ruždi Aliji
Regieassistenz: Sandra Kornmeier

WILHELM GENAZINO, der 2004 den bedeutendsten deutschen Literaturpreis, den Georg-Büchner-Preis, erhielt, gehört zu den wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren. Seine Bücher zeichnen sich durch eine genaue, klare Sprache und eine besondere Tiefe der Wahrnehmung aus. Er entdeckt im scheinbar Nebensächlichen die Abgründe des Alltags, die bei aller Melancholie und Tragik, stets mit dem Komischen einherzugehen scheinen.  Unglückliche Einzelgänger, stadtstreunende Angestellte und unfreiwillige Verweigerer sind die Helden seiner Prosa, die nach bürgerlichen Maßstäben als gescheiterte Existenzen gelten könnten. Aber im Scheitern liegt bei Genazino eine paradoxe, rebellische Art der Würde. Sein „gedehnter Blick“ staunt über die „Gesamtmerkwürdigkeit allen Lebens“.

In jüngster Zeit - sein erstes Stück ist 2005 uraufgeführt worden - tritt Wilhelm Genazino auch als Dramatiker in Erscheinung. Auch mit seinem zweiten Stück DER HAUSSCHRAT erweist er sich als ein Meister der Beobachtung menschlicher Verhaltensweisen, in einem Alltag; aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Das Stück vollzieht sich nicht in einer großen Handlung, sondern beschreibt scheinbar unauflösbare Zustände eines bürgerlichen Alltags auf eine kafkaesk bedrohliche und zugleich absurd komische Weise, die über eine Kritik am kleinbürgerlichen Leben weit hinausweist.

Karl und Sophie haben sich in ihrer 20jährigen Ehe - ritualisierte Verletzungen eingeschlossen - eingerichtet. Stillstand auf schmerzhaftem Niveau. Doch dann bricht eines Tages Else, die Gefährtin von Karls Bruder, in ihre vergehende Zeit ein, um den beiden mitzuteilen, dass ihr Mann gestorben sei und noch am selben Nachmittag beerdigt werde. Da Karl eine Begegnung mit seiner Mutter tunlichst vermeiden und Else ihm Gesellschaft leisten will, schicken sie kurzerhand Sophie zur Beerdigung. Für Karl ergibt sich damit eine Möglichkeit von Veränderung: Er will Sophie gegen Else austauschen. Doch da taucht Marlene, die „verrückte“ Tochter auf…

Diese tragikkomischen Helden des Alltags, verschanzt in den eigenen vier Wänden, wie der HAUSSCHRAT Karl,  reiben sich an sich selbst wund, an der Merkwürdigkeit ihres Lebens, die ihnen den Zugang zum allgemeinen Glück zu verwehren scheint. Es ist der unbedingte Humanismus des großen Beobachters Genazino, der dem Scheitern der Figuren stets Würde, ihren Sehnsüchten eine stolze Ernsthaftigkeit verleiht, auch wenn sie sie im Fernsehen suchen.