Repertoire

Diese Gespenster

Eduardo De Filippo
Dauer: ca. 110 Min.

Pasquale Lajacono bezieht eine achtzehnzimmerige Wohnung in einem alten neapolitanischen Palast. Da er und seine Frau Maria völlig mittellos sind, müssen günstige Umstände herrschen: Auf fünf Jahre kann er dort mietfrei wohnen. Eine Pension will er hier eröffnen, doch dies wird schwierig werden, denn einer jahrhundertealten Legende nach wohnen hier Gespenster. Selbst nicht frei von Aberglauben, meint er sie zu entdecken. Aber, als ob ein Wunder geschähe, sind sie ihm wohlgesonnen und finanzieren sogar die Einrichtung der Pension. Doch seine Frau Maria hat ein Verhältnis. Der reiche Alfredo hat bereits seine Familie verlassen und ist ins Haus neben den Palast gezogen, um sie regelmäßig zu besuchen. Er trifft dort auch auf Pasquale, der in ihm ein Gespenst erkennt, das in der Folge seiner Besuche besonders großzügig ist. Bald kommt das Ehepaar ins Gerede, doch Pasquale übergeht dies in seiner Not. De Filippo, auf den nicht zuletzt auch die Ästhetik des neorealistischen Films zurückgeht, beschreibt die sozialen und ökonomischen Verhältnisse im Nachkriegsitalien, die zur Selbsterniedrigung führen und aus denen nur die Kraft der Einbildung den Ausweg weist.

Stimmen

Harald Ruppert, Südkurier 06. März 2009

Wenn De Filippo das Theater als Schlüsselloch in die wahre Wirklichkeit begreift, dann betont diese Inszenierung, dass diese Wirklichkeit ein unentwirrbares Gewebe von Schleiern darstellt. Dies wird bereits zum Auftakt deutlich: Minuten lang herrscht Dunkelheit auf der Bühne, nur weit hinten in ihrer Mitte, ist ein Schemen erahnbar. Das Auge versucht, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, versucht, das Geschehene zu entschlüsseln. Je länger es hinschaut, desto eher scheint der Schemen seine Position zu verändern. Oder ist das nur eine Fata Morgana der Sinne? Was ist wirklich und was nicht?

Christian Bos, Kölner Stadt Anzeiger 19. Dezember 2007

Das bekannt großartige Ensemble des Theaters Mülheim an der Ruhr vergibt hier keine Chance: Maria Neumann etwa hat in fünfeinhalb Stunden keine zehn Minuten Text. Doch strahlt die Intensität ihres Auftritts – sie spielt ein somnambules Hausfaktotum – weit über den Abend hinaus. Simone Thoma und Albert Bork geben ihr Bravourstück als verwunschene Gören ab, die einem Tim-Burton-Film entsprungen sein könnten. Im darauf-folgenden Stück ist Thoma eine für Kinder tödliche Grundschullehrerin und nicht weniger packend. Bork überzeugte schon in der vorigen Komödie in der Rolle des zwischen Wahn und Traum verstolperten Liebhabers. Steffen Reuber dagegen steigert sich langsam von Stunde zu Stunde – wenn er in der „Kunst der Komödie“ als kleiner Amtsarzt um Anerkennung bettelt, rührt uns schließlich zu Tränen. Es wären noch viele zu loben, zuvorderst alle unerwähnten Schauspieler, auch die kuriose Bühnenmaschinerie, und erst recht die Regiearbeit Roberto Ciulli s, der sich hier ganz in den Dienst De Filippos stellt. Eine Meisterleistung hoch drei ist das.

Karsten Mark, Ruhrnachrichten 17. Dezember 2007

"Ciulli inszeniert „Diese Gespenster“ zu einer Tragikomödie, die über alle drei Akte hinweg eine starke Geschlossenheit währt. Rupert Seidl stellt als Pasquale schön heraus, dass er eine tragische Gestalt verkörpert. Glänzend komisch spielt auch Klaus Herzog den schrillen Hausmeister Raffaele. Die dichte Atmosphäre erreicht Ciulli schon durch ein fahles Seitenlicht, das von außen auf die Bühne fällt. Ein starkes Stück."

Besetzung

Petra von der Beek
Silvia, Mariglianos Tochter
Rupert J. Seidl
Pasquale Lojacono
Fabio Menéndez
Alfredo Marigliano
Rosemarie Brücher
Armida, Mariglianos Frau
Simone Thoma
Maria, Lojaconos Frau
Albert Bork
Arturo, Mariglianos Sohn
Klaus Herzog
Raffaele, Hausmeister
Maria Neumann
Carmela, Raffaeles Schwester
Steffen Reuber
Gastone Califano
Thomas Hoppensack
Möbelträger
Peter Kapusta
Möbelträger

Team

Roberto Ciulli
Inszenierung
Heinke Stork
Kostüme
Abbasali Akbarnejad
Bau der Maschine