Repertoire

Dona Rosita oder die Sprache der Blumen

Federico Barcia Lorca
Dauer: ca. 150 Min.

Ciullis nachdrückliches Interesse an Lorca richtete sich früh auf die frappierende Einheit von Biographie und Werk des Dichters.

Als zentrales Motiv zieht sich durch Lorcas Leben und Literatur das Aufbäumen gegen gesellschaftlich zementierte Regularien, die auf inhumane Weise mit den Bedürfnissen des Einzelnen kollidieren. Traum und Wirklichkeit sind die sich durchdringenden Gegensätze in Lorcas Werk. An diesen Widersprüchen hat sich Lorca zeitlebens persönlich und künstlerisch gerieben.

Geboren als Sohn eines wohlhabenden Gutsherrn stieß er sehr früh in die Kreise aufbruchwilliger und neugieriger junger Künstler wie Salvador Dalí, Luis Buñuel und Rafael Alberti vor. Politisch wandte er sich von seinem großbürgerlichen Elternhaus ab und interessierte sich verstärkt für die Lebenswelt der Zigeuner, die maurische Kultur und die Tradition spanischer Volksmusik. Seine Dramen wurden zunehmend von diesen Elementen und den Einflüssen des Surrealismus bestimmt.

„Ein Theaterpraktiker“, so Roberto Ciulli, „der mit großem politischem Engagement für das Volk kein intellektuell hermetisches, sondern ein neues, im Wortsinn, Volkstheater realisieren wollte!

Im Jahre 1922 gründete er mit Manuel de Falla ein Festival des „canto jondo“, einer schwermütigen Form der Zigeunermusik, deren Lieder er sammelte und gelegentlich als Klavierbegleiter auch aufführte.

Für das faschistische Spanien wurde Federico García Lorca als Künstler, Homosexueller und politischer Aktivist zur Zumutung. Zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs wurde er 1936 von einem Falangistenkommando festgenommen und ohne Urteil erschossen.

Stimmen

Harald Polenz, theater pur 01. Oktober 2005

„Und die großartige, ja wunderbare Simone Thoma durchlebt das Schicksal dieser spanischen Mädchen, der ledig gebliebenen, reinen Donnen, die „Opfer des sozialen wurden, das sie umgibt“. Als Doña Rosita flirtet sie mit ihrem Schöpfer, dem Jüngling Lorca (prächtig dargestellt von Albert Bork), will ihm einen Nagel in die Brust schlagen – als ahne sie sein Schicksal auf dem steinigen Berg von Viznar – und welkt doch dahin, ohne Hoffnung auf Aufmerksamkeit, von einer lähmenden Hoffnungslosigkeit eingewickelt wie ein Kokon.“

Günther Hennecke, Kölnische Rundschau 26. September 2005

„Eine Tragödie ohne Titel schwebte ihm vor. Es wurde eine von Poesie durchtränkte. Es wurde ein Abend, der das poetische Faszinosum wie die tragische Realität dieses Spaniers in blendende Bilder umsetzt. Verwebt Ciulli doch Lorcas tieftraurige Geschichte um die in sehnsüchtiger, aber nie gelebter Liebe dahin welkende Rosita mit dem Lebensweg ihres Autors. Dabei entsteht ein Geflecht, das in seiner fließenden Poesie und kühlen Zärtlichkeit, seinen melancholischen Bildern und fast zu Tableaus gerinnenden Szenen zu einer Hommage auf Liebe und Menschlichkeit wird. Untergangsvisionen mit dem Prinzip Hoffnung überzeugend zu verschmelzen, gelang Ciulli in seinen besten Arbeiten schon immer. Sie so spielerisch leicht auf die Bühne zu bringen, ist ihm gleichwohl nur selten geglückt. Jubelnder Applaus.“

Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung 26. September 2005

Es ist ein Spuk, den Ciulli auf nachtblauer Bühne entfesselt, mit viel Cello- und Klaviermusik: verfremdete andalusische Volksweisen, Kirchliches, reichlich Eric Satie. Matthias Flake, der Mann am Flügel, trägt dem Surrealismus des Abends zu Ehren eine Fischkopfmaske und gibt für jede Szene den Ton an.

Andreas Rossmann, FAZ 28. September 2005

Auf der bildzitatreichen Bühne von Gralf-Edzard Habben entwickelt der Regisseur eine surrealistische Collage, in der die „Granadiner Dichtung“ zur düsteren Gespenstersonate wird: Alltag und Vorstellungswelt, Traum und Wirklichkeit, Offenkundiges und Unterbewusstes schieben sich wie in Bildern von Dalí und Magritte oder Filmen von Buñuel ineinander. So konzentriert und souverän entfaltet, war das in Mülheim lange nicht mehr zu sehen.

Rainer Hartmann, Kölner Stadt Anzeiger 27. September 2005

Es ist eine kühne, künstlerisch mitunter riskante Montage, die Ciulli und sein Dramaturg Helmut Schäfer mit und für García Lorca vornehmen. Sie führt weit weg vom zarten dramatischen Gespinst um Rosita und ihren Rosen züchtenden Onkel, um die Ordnung liebende Tante und deren derbe Haushälterin. Doch Regisseur Ciulli raut die Rosita-Handlung derart auf, dass der Zusammenhalt des knapp dreistündigen Abends nie bedroht ist.

Besetzung

Klaus Herzog
Ein Priester
Peter Kapusta
1. Zivilgardist
Steffen Reuber
Ein Pfleger / Kellner
Volker Roos
Don Martin
Simone Thoma
Dona Rosita
Gabriella Weber
Fräulein Ayola
Petra von der Beek
Die Haushälterin

Team

Roberto Ciulli
Inszenierung
Matthias Flake
Musikalische Leitung

Besetzung


Flügel: Matthias Flake
Cello: Oriol Aymat Fusté