Konstantin Küspert
Europa verteidigen
Regie: Cilli Drexel
Bühne, Kostüm: Christina Mrosek
Dramaturgie: Olivier Garofalo

Drei Erzählstränge verwebt Konstantin Küspert bei seinem sarkastischen Versuch, Europa zu verteidigen. Da wären zum einen ein paar Leute von heute, die in ihren Statements unter anderem die populäre Europa-Kritik bündeln: Bürokratiekritik, Elitenüberdruss, repressive Wirtschaftsdominanz oder notorische Drittweltausbeutung. In einem zweiten Strang geht es zurück in die Geschichte. Der kleine Kontinent ruht auf einer beeindruckenden Gewalthistorie: Von den pragmatischen Wikinger-Schlagetots über die Kreuzfahrer, deren Christentum ein bequemer Vorwand für Wirtschaftskriege war, bis zu den Römern mit ihren afrikanischen Expeditionen reicht eine dicke Blutspur ins 20. Jahrhundert, als Kaiser Wilhelm und seine zackigen Militärs auch mal europäische Kolonialmacht spielten und Hereros ausrotten gingen. Bis ein paar Jahre später Hitler die europäische Welt mit einem Weltkrieg überzog, der nur mit Hilfe einiger anderer Kontinente wieder ausgetreten werden konnte. Auch ein Blick in den Mythos macht nicht unbedingt Mut: Hervorgegangen ist Europa aus der Vergewaltigung einer gelangweilten phönizischen Prinzessin, die in einem Anfall von Unternehmungslust auf den falschen Stier setzt und einen Haufen Völker gebiert, die sich die nächsten paar tausend Jahre nicht ungeschickt bekämpfen werden. Warum also Europa verteidigen? Das müssen wir schon selber wissen! Franz Wille

Uraufführung am 9. Oktober 2016, ETA Hoffmann Theater Bamberg