Repertoire

HEIMAT 4.0 (UA)

Volxbühne

"Worte können sein wie winzige Arsendosen: Sie werden unbemerkt verschluckt,
sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung da."         (Victor Klemperer "LTI - Notizbuch eines Philologen")

HEIMAT 4.0 – Ein unheimliches Bürgertheater ist ein städteübergreifendes, crossmediales Projekt - bestehend aus einer Theaterinszenierung und einem (Video)Blog - welches einem Begriff nachspürt dem in der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte eine zentrale Bedeutung zufällt: HEIMAT. In Zeiten von Globalisierung, Social Media und digitalisierter (Arbeits)Welt ist HEIMAT für uns zu einem brüchigen Gefühl geworden. "HEIMAT - Ein Phantomschmerz" betitelt beispielsweise der Autor Christian Schüle seine aktuelle Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff.

Und: Kaum ein anderer Begriff wird in ähnlich kurzen Abständen - mit jeder neuen Generation - auf seine Bedeutung hin befragt und neu definiert.
Kaum ein anderer Begriff ist in so hohem Maße der Gefahr ausgesetzt durch die sprachliche Agitation der Populisten vereinnahmt und diskreditiert zu werden - vor allem dann, wenn er als eine ausgrenzende Kategorie benutzt und mit den Begriffen Volk und Nation verbunden wird.

Ob Donald Trump mit "Make America great again" oder die AfD in Deutschland ("Ein Staat der seine Grenzen nicht schützt ist keiner mehr") -
den populistischen Bewegungen ist gemein, dass sie Sprache gezielt einsetzen um Ängste zu schüren, Wahrnehmung bezüglich real existierender oder auch eingebildeter Gefahren zu manipulieren und damit Bürgerstimmen für sich zu gewinnen. Religion, Mentalität oder Hautfarbe werden in der politischen Diskussion in Stellung gebracht mit dem Versprechen die "einheimische" Bevölkerung - die         HEIMAT - durch Abschottung vor vermeintlichen äußeren Gefahren - in diesem Fall vor Globalisierung und Migranten - zu schützen.
Dabei ist HEIMAT oft zur leeren Formel geworden und in der Realität erscheint es als unwahrscheinlich das technologisch-ökonomische Phänomen der Globalisierung oder Migrantenströme aus Kriegsgebieten durch Abschottung aufzuhalten.

Und dennoch, Populisten erwischen den "normalen" Bürger auch auf dem richtigen Fuß:  Die Menschen haben Angst, das was sie haben, was sie an Eigentum besitzen und auch ihr gewohntes Sicherheitsgefühl zunehmend zu verlieren - fremd im eignen Land zu werden.
Technische Entwicklungen haben das Potential zunächst die Arbeitskraft des Menschen überflüssig zu machen und ihn irgendwann in ferner Zukunft gleich ganz abzuschaffen.
Mindestens aber wird technischer Fortschritt von vielen Menschen nicht als zivilisatorischer Fortschritt, sondern als Bedrohung aufgefasst.

Ziel des Gesamtprojektes ist es eine generationsübergreifende Diskussion über den Heimatbegriff zu initiieren, populistische Verführungsversuche zu enttarnen sowie einen Denk-, Diskussions- & Erfahrungsraum am Theaterabend und während der gesamten Projektdauer im Internet anzubieten.
 
HEIMAT 4.0 - Ein unheimliches Bürgertheater ist eine Produktion der VolXbühne und des Theater an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) in Kooperation mit A.TONAL.THEATER (Köln), Freihandelszone - Ensemblenetzwerk Köln und der Alten Feuerwache Köln.

 

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