Kategorien der Unwahrhaftigkeit
Installation: Wanja van Suntum und Maximilian Brands
Produktionsleitung: Adem Köstereli
Texte: Alexander Weinstock
Fotografie: Franziska Götzen
Dokumentation: Dr. Jonas Tinius

Aufführungsort
Schloßstraße 35 ​45468 Mülheim an der Ruhr

Karten unter: 0208/5990188

INSTALLATION | Eröffnung 16.09.2016 Auf zwei Stockwerken des ehemaligen Woolworth-Gebäudes auf der Mülheimer Schloßstraße gehen wir der Frage der Verwaltung in Asylverfahren nach. Dazu suchen wir das Gespräch mit Geflüchteten, die über ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit den deutschen Behörden berichten. Zugleich wollen wir die administrative Dimension zu Wort kommen lassen, um den Ablauf eines Asylverfahrens und den Prozess, nach dem ein Leben verwaltet wird, zu verstehen. Es geht aber nicht allein darum, über das Asylverfahren aufzuklären. Eine künstlerische Anordnung verschiedener Bild-, Ton- und Schriftmaterialien soll vielmehr die kommenden Besucherinnen einladen, eine eigene Position zu dem Komplex von Bürokratie und Biographie, von Leben und der Verwaltung seiner Möglichkeiten einzunehmen. In dieser Neuordnung und -verortung der Erzählungen von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft überschreiben sich Dokumente, Aussagen, Artefakte, Träume und Fiktionen in einem archivarischen Theater, das danach fragt, wie ein Mensch vor anderen von sich sprechen und schweigen kann. Für eine zweiwöchige Präsentation ab dem 16.09.2016 laden wir die Besucherinnen auf einen Parcours durch dieses imaginäres Archiv mit seinem poetisch restrukturierten Verwaltungsapparat ein.

ATELIER | Eröffnung 16.09.2016 Gemeinsam arbeiten wir derzeit mit Künstler*innen mit Fluchthintergrund an einem offenen Atelier zum künstlerischen Arbeiten, Zusammenkommen, Diskutieren und Begegnen, welches weitesgehend selbst organisiert werden soll. Das erste Kennenlernen-Treffen fand am 09.08.2016 in den Räumlichkeiten des ehemaligen Woolworth statt.

FORSCHUNG | laufend Neben diesen Projekten wird die wissenschaftliche Begleitung und anthropologische Dokumentation, die seit Anbeginn mit der Arbeit von RUHRORTER verbunden war, weitergeführt. Die vielzähligen internationalen Veröffentlichungen und Vorträge, die im Rahmen dieser innovativen Zusammenarbeit zwischen Kunst und Anthropologie bereits entstanden sind und noch entstehen werden, sollen nicht nur einem wissenschaftlichen Publikum vermittelt werden, sondern in einem digitalen Archiv der Beobachtung zusammengeführt werden. Da sich in Deutschland und Europa vermehrt auch Theater- und Sozialwissenschaft sowie die Kulturpolitik dem Thema Migration und Flucht widmen, ist diese deutschlandweite und internationale Kommunikation und Vernetzung für uns von großer Bedeutung. Bald erscheinen zwei weitere Texte von Dr. Tinius zu Ruhrorter in englischer und deutscher Sprache: ‘Anthropologische Beobachtungen zu künstlerischer Subjektivierung und institutioneller Reflexivität: Das Theaterprojekt Ruhrorter mit Geflüchteten am Theater an der Ruhr’ (in: Matthias Warstat, Florian Evers, Kristin Flade et al. 2016. Applied Theatre – Frames and Positions. Berlin: Theater der Zeit) & ‘Authenticity and otherness: reflecting state(lessness) in German postmigrant theatre’. Critical Stages/Scènes Critiques. Special issue on ‘Theatre and Statelessness in Europe’, edited by Prof Stephen Wilmer and Dr Azadeh Sharifi. Mehr unter www.jonastinius.com