Wolfram Lotz
Lächerliche Finsternis

Wolfram Lotz´ "Lächerliche Finsternis" kann man ohne weiteres als das erfolgreichste deutschsprachige Stück des Jahres 2015 beschreiben. So mag es nicht verwundern, dass es alsbald auch seinen Weg auf die immer an neuen Stoffen interessierte, Istanbuler Theaterszene gefunden hat. Der durch seine Arbeiten am Berliner Maxim Gorki Theater und zuvor auch am Düsseldorfer Schauspielhaus hierzulande bestens bekannte, gebürtig aus Ankara stammende Regisseur Nurkan Erpulat hat das Stück am Stadttheater des Vororts Bakirköy inszeniert. Ein Haus, das - seit es unter der Leitung des berühmten Theater- und Filmschauspielers Alican Yucesoy steht - für seine unabhängigen, politischen Positionen und avancierten Regiehandschriften bekannt geworden ist. Da darf es nicht verwundern, das Lotz´ phantasievoll-ironische Fortschreibung von Joseph Conrads Roman "Herz der Finsternis" hier weniger in den imaginären "Regenwäldern" Afghanistans spielt, sondern von Nurkan Erpulat auf das "post-kolonialisierte" türkische Hinterland Anatolien bezogen wird.