Peter Nádas
Sirenengesang
Inszenierung: Roberto Ciulli
Dramaturgie: Helmut Schäfer
Bühnenbild: Gralf-Edzard Habben
Kostüme: Heinke Stork
Regiemitarbeit: Thomaspeter Goergen
Lichtgestaltung: Ruždi Aliji
Regieassistenz: Khosrou Mahmoudi

Noch keinem Seefahrer war es je gelungen, die Insel heil zu passieren, alle erlagen der Verführung des Gesangs der Sirenen, der den Tod bedeutete. Doch Odysseus lässt den Kurs seines Schiffes nicht ändern, will diesen Gesang hören. Also lässt er sich an den Mast fesseln, den Ruderern die Ohren mit Wachs verschließen. Wie viele der Episoden der Odyssee ist auch diese ein Sieg des Verstandes über die älteren Naturmächte. An deren Untergang besteht kein Zweifel. Der Verstand wird zukünftig das Instrument der Herrschaft werden.

Péter Nádas‘ SIRENENGESANG schließt das Homerische Epos mit der Gegenwart kurz und sein Blick in die Zeiten wird des Alptraums der Geschichte gewahr. Die Differenz zwischen Kriegen und dem ökonomischen Geschehen marginalisiert sich über die Jahrhunderte, am Ende sind die letzten Fische aus den Meeren gefischt, die Erde liegt unter dem Bann der totalen Verwertung.

In der Tat schreibt Nádas einen Gesang, dessen Melodie den Verlust jeglicher Individualität beklagt. Seit der Antike scheint die Tendenz zur Selbstvermassung unauflöslich, der einzelne Mensch, der von der Idee der Freiheit nicht ablässt, bleibt die Ausnahme. Péter Nádas schreibt aber auch einen Gesang über das beständige Verhältnis der Generationen, über Mütter und Söhne und abwesende Väter. Abwesend wie Odysseus für seine Söhne Telemachos, Telegonos und Hyakinthos, die ihren Vater ersetzen sollen und es nicht können, um zum Schluß gegen den zu rebellieren, der nicht da ist. Abwesende Väter stiften keine Tradition, jede Generation beginnt wiederum neu, Gewalt als Medium der Herrschaft einzusetzen. Der Text ist ein vielstimmiger Monolog, dem die Komik des Geschehens nicht entgeht, ein Satyrspiel, das nach den großen Tragödien gespielt wird.

SIRENENGESANG ist Teil der ODYSSEE EUROPA, ein gemeinsames Projekt von Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Dortmund, Schauspiel Essen, Schlosstheater Moers, Theater an der Ruhr, Theater Oberhausen, raumlaborberlin und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010