Nach dem Roman „Il Sopravvissuto“ von Antonio Scurati und Texten von Platon und Cees Nooteboom
„Socrate il Sopravvissuto“ – „Sokrates, der Überlebende“
Regie: Simone Derai
Video: Simone Derai , Giulio Favotto

Schule als ein Hort von Gewalt ist nicht erst seit Kurzem Gegenstand von Schlagzeilen. Die Schule ist ein emblematischer Ort, an dem das Versagen von Erziehung ungefiltert zu Tage tritt: Die Spannweite reicht vom Mobbing bis hin zu den in schrecklicher Regelmäßigkeit auftretenden Amokläufen.

Einen solchen hat der Roman „Il Sopravvissuto“ von Antonio Scurati zum Gegenstand, den Anagoor als Ausgangspunkt für die Entwicklung ihres neuen Projektes nahmen. Aus der Sicht eines Geschichts- und Philosophie-Lehrers, der vor seiner Klasse steht und den Tod des Sokrates behandelt, schildert Regisseur Simone Derai die letzte Unterrichtsstunde vor dem Massaker: Ein Schüler richtet eine ganze Prüfungskommission hin und spart nur den einen, hier zentralen Lehrer aus. Die Aufführung, die Anagoor mit ihrem Protagonisten Marco Menegoni und einer Reihe Heranwachsender in den Schüler-Rollen realisiert hat, knüpft in ihrer Requiem-Form an das ungemein eindrucksvolle Projekt „L.I. – Lingua Imperii“ an, mit der die Gruppe aus Castelfranco Veneto im Vorjahr in Mülheim gastierte. Während „L.I.“ das unfassbare Phänomen des Genozids in der Menschheitsgeschichte thematisierte, steht im neuen Projekt das destruktive Potential des Individuums im Mittelpunkt. Anagoor erhielt dafür den prestigeträchtigen „Premio Rete Critica“ für die beste italienische Theaterproduktion des Jahres 2016.

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Einführung vor und Diskussion mit Produktionsbeteiligten nach der Aufführung.