Stimmen

Wolfgang Platzeck, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 16. Mai 2017

Ciullis Bilderwelt ist gewohnt reich an Zitaten und Verweisen. Ein Gespräch zwischen Kleinman und der Hure Gina (die wunderbare Petra von der Beek spielt auch Ehefrau Anna) über Kosmologie erreicht in seiner Absurdität fast Beckett’sche Dimensionen. Wenn Kleinman selbst als Täter verdächtigt wird, malt man ihm das rote „M“ aus Fritz Langs Film auf die Brust. Bildgewaltig wiederum sind jene Szenen, die dem Erscheinen der Bürgerwehr vorausgehen.


Rolf Pfeiffer, Revierpassagen, 15. Mai 2017

Der bösen Dynamik in „Tod“ hat Roberto Ciulli noch eine weitergehende Interpretation hinzugefügt. Er selbst betritt – kurze Lederhose, Hitlerbärtchen – als Spiro die Bühne, als „Experte“, der Täter zu erschnüffeln vermag. An Kleinmann schnüffelt er besonders lange herum und erklärt ihn schließlich zum Täter: eine bedrückende, rassistische Miniatur innerhalb des Stücks, die sicherlich nicht zwingend, aber doch sehr klug ist. Wie überhaupt einmal mehr beeindruckt, wie reflektiert, aber auch konsequent Roberto Ciulli und sein Theater sich einem Stoff annähern.


Ruhrnachrichten, 15. Mai 2017 15. Mai 2017

Erschreckend aktuell ist die Geschichte von Woody Allens "Tod" - von Roberto Ciulli in Szene gesetzt. Geht es doch um die Umtriebe einer Bürgerwehr, wie es sie jüngst auch in Düsseldorf gegeben hat. Eine merkwürdige Hatz gespickt mit dem typischen Wortwitz und der Situationskomik a la Woody Allen beginnt. In Ciullis Version schleicht sich der Schrecken durch die Hintertür in die Groteske. Es dauert nicht lang und die faschistischen Fratzen werden hinter den Masken der Wohlanständigkeit sichtbar. Geschickt nutzen die Männer der Bürgerwehr die diffusen Ängste der Menschen für ihre Zwecke.