Repertoire

Traumnovelle

Arthur Schnitzler
Dauer: ca. 105 Min.

Was Tagtraum, Nachtraum, was Wirklichkeit ist, läßt sich oft nur schwer unterscheiden. Fridolin und Albertine, ein Ehepaar, werden von Vorstellungen und Träumen heimgesucht, die die Harmonie ihres Zusammenlebens gefährden. Sehnsüchte, durch die Triebnatur geweckt, entwickeln sich zu konkreten Wünschen, die Fridolin – Arzt, wie der Autor selbst – bei seinem Gang durch die Nacht zu realisieren sucht. Deutlich steht das schwache Gerüst vor Augen, auf dem die bürgerliche Ehe aufgebaut ist; gleichzeitig gelingt es der Erzählung, die untergehende Welt des 19. Jahrhunderts in der Zeit um den Ertsen Weltkrieg zu versinnlichen.

Die "Traumnovelle" Schnitzlers hat schon öfter die Phantasie von Regisseuren bewegt. Stanley Kubricks Film "Eyes Wide Shut" ist sicher das bekannteste Beispiel.

Stimmen

Steffen Tost, Neue Ruhr Zeitung 18. Dezember 2010

Fridolin in Arthur Schnitzlers Traumnovelle ist eher ein Getriebener, als jemand, der forsch sein Schicksal in die Hand nimmt. Deutlich wird das, wenn im Theater an der Ruhr die mobil über den Bühnenboden gleitende Tür, die das Tor in eine Welt der erotischen Erfüllung öffnet, hinter der es sich Pierrette im Harlekin-Kostüm auf einem Mantel in emotionalem Rot bequem gemacht hat, Fridolin vor sich her treibt. Aus dem Kostüm der Verführungskünstlerin mit heruntergelassenen Armen wird in der Traumwelt kurzerhand eine Zwangsjacke und die erotischen Kräfte dadurch gebändigt.

Klaus Stübler, Emsdetter Volkszeitung 20. Dezember 2010

Ein gelungener Schachzug der Inszenierung ist der Ausbau der Rolle des Pathologen Dr. Adler zur dritten Hauptperson im 15-köpfigen Ensemble: Hausherr Roberto Ciulli in weißem Frack oder Arztkittel ist immer dann zur Stelle, wenn es gilt, Personen und auch Situationen nüchtern-präzise zu beschreiben.

Dietmar Zimmermann, theaterpur 01. Januar 2011

Simone Thoma entwirft einen atmosphärisch faszinierenden Bilderbogen zwischen Traum und Wirklichkeit, hammerstark insbesondere in den nonverbalen Elementen, ein wenig prosaisch bei den Dialogen. Neben der überraschend eng an den eigentlich extrem dialogarmen Buchtextangelehnten Dramatisierung gebührt Klaus Herzog für seine Klang- und Musik-Collage besondere Erwähnung. Magisch surreale Szenen nehmen uns immer wieder gefangen: der Auftritt des steifen, sterbenden Hofrats im Frack und Zylinder im Rollstuhl; der lockenden Pierrette, der blassen diphtheriekranken Tänzerinnen...