Qy Brazo
Tres dias sin Charlie

In den ersten Tagen des Jahres 2015 hielt die Welt den Atem an: Drei Tage lang dauerten die terroristischen Attacken, die mit dem Blutbad auf die Redaktion der satirischen Wochenzeitschrift Charlie Hebdo begannen. Die spanische Performancegruppe Nuevenovenos spürt mit ihrer im vergangenen Sommer beim renommierten Madrider Frinje Festival uraufgeführten Arbeit „Tres días sin Charlie - Drei Tage ohne Charlie“ den Reaktionen und Kommentaren im Internet und insbesondere den sozialen Netzen nach. Mit Videoprojektionen und paraphrasierenden, manchmal auch kommentierenden Spielszenen fächert die junge Truppe eine Chronologie der Reaktionen auf: Dem ersten Entsetzen, der Abscheu folgen einerseits Solidaritäts- und Mitleidsbekunden, andererseits der Ausdruck schierer Angst oder wüster Rachegelüste. Nahezu im Stile eines szenischen Essays wird deutlich wie das Kalkül des islamistischen Terroristen aufgeht, mit ihren Attentaten nicht nur Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern Hass zu säen zwischen Menschen und Bevölkerungsgruppen, die sich doch in der Ablehnung von Gewalt völlig einig sind.

In spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Einführung vor und Diskussion mit Kübra Gümüsay nach der Aufführung.

Die nach ihren eigenen Worten „Deutschtürkin und Feministin“ Kübra Gümüşay ist Journalistin, Bloggerin und Internetaktivistin. Die studierte Politikwissenschaftlerin gehört Deutschlandradio zufolge zu den „prägenden Köpfen des Islam in Deutschland“. Ihr seit 2008 geführtes Blog „Ein Fremdwörterbuch“ war für den Grimme Online Award nominiert und wird monatlich von bis zu 13.000 Usern angeklickt.