Emma Dante nach Euripides
„Verso Medea“ – „Medea entgegen“
Text, Regie: Emma Dante
Musik, Gesang: Fratelli Mancuso
Licht: Marcello d'Agostino

Emma Dante, charismatische Regisseurin und Schlüsselfigur des zeitgenössischen sizilianischen und italienischen Theaters, hat sich mit „Verso Medea“ dem von Euripides dramatisiertem Mythos genähert: Was könnte heute aktueller sein als die blutige Tragödie der aus ihrer Heimat Kolchis geflüchteten Medea und ihr oft als „feministisch“ interpretierter Selbstbehauptungskampf? Sie wehrt sich gegen die Demütigungen ihres untreuen Gatten Jason, der sie mit ihren beiden Kindern sitzen lässt, um die korinthische Königstochter zu ehelichen - schließlich bringt sie die gemeinsamen Kinder um. „Medea entgegen“ oder „In Richtung Medea“ wären wohl die passenden Übersetzungen des Projekttitels. Emma Dante lässt in ihrer Aufführung keinen Zweifel daran, dass es das Feuer mediterraner Leidenschaft ist, das die betrogene Medea antreibt. Versinnbildlicht wird dieser Furor durch die Glut der sizilianischen Melodien der Fratelli Mancuso. Den Chor der Korintherinnen bilden fünf ältere Männer in Frauenkleidern gehüllt –ein sarkastisches Bild für unsere überalterten, geburtenschwachen, westeuropäischen Gesellschaften? Die Alten sind von der wilden, ob ihrer Verstandesschärfe gefürchteten Barbarin, genauso wie von ihrer Fruchtbarkeit und weiblichen Kraft fasziniert und zugleich abgestoßen. Eine Chance hat Dantes Medea nie. Die Flüchtlingstragödie trägt die Züge eines immer wiederkehrenden Rituals…

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Einführung vor und Diskussion mit Produktionsbeteiligten nach der Aufführung.