Repertoire

Your Love is Fire

Mudar Alhaggi

Seit Anfang des Jahres 2017 sind der Regisseur Rafat Alzakout, die Schauspielerin und Regisseurin Amal Omran und der Autor Mudar Alhaggi als arabisches Künstler- und Theaterkollektiv „Collective Ma’louba“ am Theater an der Ruhr in Mülheim in Residenz.

In seinem Theaterstück „Your Love is Fire“ verarbeitet der syrische Autor Mudar Alhaggi seine persönlichen Erfahrungen des Krieges in Syrien, den Verlust des Heimatlands und die Exilerfahrung in Deutschland. Der Titel basiert auf dem gleichnamigen Lied des ägyptischen Sängers Abdelhalim Hafez, das für die Epoche arabischer Schlagermusik der 60er steht und die Sehnsucht nach vergangenen, scheinbar sicheren Zeiten verkörpert. Weder Helden- noch Opfergeschichte, zeichnet es mit tragikomischen Elementen das Verhalten derjenigen im heutigen Syrien nach, die schweigend abwarten. Das Stück greift die Ambivalenz von Handlungsnotwendigkeit und (Ab-)Warten auf, die das Lebensgefühl vieler nach Deutschland und Europa geflüchteter Menschen prägt.

Hala teilt ihrer Freundin Rand mit, dass sie Syrien aufgrund des Kriegs verlassen und nach Deutschland gehen wird. Rand ist verzweifelt, da sie aufgrund ihrer Liebesbeziehung mit Khaldoun, der seinen Militärdienst als Soldat an den Checkpoints der syrischen Regimearmee verrichtet, nicht aus Damaskus weggehen kann und will.

In arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Collective Encounter in Kollaboration mit Collective Ma'louba. Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen und Theater an der Ruhr. In Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Middle East Office Beirut und Shubbak Festival / British Council. Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und der Kulturstiftung des Bundes. Mit Unterstützung von AAE – Agency for Artists in Exil

Das zunächst auf zwei Jahre angelegte Gesamtprojekt "Collective Ma'louba" wird durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert.

 

In his play “Your Love is Fire” the Syrian author Mudar Alhaggi deals with his personal experiences of the war in Syria, the loss of his home country and being exiled in Germany. The title is based on the song of the same name by Egyptian singer Abdelhalim Hafez. It stands for the era of Arabic pop music of the 60ies and the longing for seemingly safe times of the past. Neither hero nor victim story, it portrays the behaviour of those in present Syria – who wait silently – in a tragicomic manner. The play picks up on the ambivalence between the need for action and waiting, which shapes the life of many people who fled to Germany and Europe.

 Hala tells Rand that she will leave Syria because of the war and flee to Germany. Rand is desperate. Because of her love affair with Khaldoun, who executes his military service as a soldier at the checkpoints of the Syrian regime army, she can’t leave Damaskus, nor does she want to.

 

في مسرحيته "حبك نار" يعالج الكاتب السوري مضر الحجّي تجاربه الشخصية في الحرب الدائرة في سوريا وفقدان الوطن وتجربة المنفى في ألمانيا. يستند العنوان في هذا العمل إلى عنوان أغنية تحمل الاسم ذاته للمطرب المصري عبد الحليم حافظ والتي تعود إلى عصر الطرب العربي إبّان ستينيات القرن الماضي وتجسّد الحنين إلى الأزمنة الخوالي التي على ما يبدو كانت آمنة. من دون قصص أبطال ولا قصص ضحايا ينقل هذا العمل بعناصر الملهاة المأساوية سلوك أولئك الذين ينتظرون بصمت في سوريا اليوم. وتلتقط المسرحية التناقضات ما بين ضرورة التصرف والانتظار التي تطبع المشاعر الحياتية لكثير من الذين فروا إلى ألمانيا وأوروبا.

تخبر هالة صديقتها رند أنها ستغادر سوريا بسبب الحرب وستتوجه إلى ألمانيا. رند يائسة كونها لا تريد ولا تستطيع مغادرة دمشق بسبب علاقة حب تربطها مع خلدون الذي يؤدّي خدمته العسكرية كجندي على نقاط التفتيش التابعة للجيش السوري

Stimmen

Deutschlandfunk, Dorothea Marcus, 17. Mai 2017

Die Freundin kann nicht weg und das Paar nicht zueinander kommen. In dieser Konstellation entzünden sich Mann-Frau-Konflikte, tiefe Diskussionen über Loyalität und Flucht. Die Frau fühlt sich missachtet, sie will, dass ihr Mann desertiert. Der ist dagegen eifersüchtig und vollkommen hilflos. Ein präziser psychischer Einblick in syrische Alltagsrealitäten. Es sind Menschen wie Du und ich. Sie trinken Tee, denken an Sex und essen Schawarma. Eigentlich wollen sie einfach nur ihr Leben weiterführen, aber es ist nun einmal Krieg und so müssen sie sich die Frage stellen, wo ist die Grenze, ab welcher Gefahrenlage lässt man ein Leben hinter sich. Autor Mudar Al Haggi hat noch einen doppelten Boden eingebaut, eine Art Stück im Stück. Immer wieder sprechen die Figuren aus dem Stück mit ihrem Autor, bitten ihn, sie nicht allein zu lassen, ein Ende zu schreiben, was man von Theaterautoren wie Luigi Pirandello kennt, ist im Krieg konsequent. Die Sehnsucht nach einer Vaterfigur und nach Orientierung. Erst gegen Ende des Stücks erfährt man, dass der Autor längst geflüchtet ist. Kalte Bilder von Deutschland werden gezeigt, lang U-Bahn-Gänge, Menschen in teuren Rollstühlen, sprachlos und einsam. Der Autor hat das Stück in einem Flüchtlingsheim geschrieben, sein Text hinterfragt klug, wie man überhaupt noch schreiben könnte im Exil. Ganz zum Schluss siegt dann doch die Poesie. Hala rezitiert ein Gedicht während Bombennebel über die Bühne zieht und das alte Lied „Your love is fire“ zu hören ist, ein alter, mythischer, arabischer Schlager aus den 60er Jahren, als die Welt im Nahen Osten vielleicht noch ein wenig mehr in Ordnung war. Auch wenn viel arabischer Text auf den Zuschauer prasselt, so ist der Abend doch gelungen. Antipathetisch und wahrhaftig agieren die Schauspieler, hier werden keine Klischees von Flucht und Leid ausgestellt, sie lassen uns vielmehr echte Konflikte spüren. Das neue Ensemble Ma’louba ist eine Form des Empowerments für arabische Künstler, die es bislang so in Deutschland bisher so nicht gab, denn selbst im Exil-Ensemble am Maxim-Gorki-Theater in Berlin haben doch meist westliche Regisseure das letzte Wort.

Steffen Tost, Neue Ruhr Zeitung, 23. Mai 2017

Das arabischsprachige Publikum geht mit, lacht bei Anspielungen, applaudiert oder hält konzentriert die Luft an. Vor allem, als der Satz fällt, „Ich wünsche mir ein Leben ohne Armee, ohne Blut und ohne Krieg“, brandet lebhafter Szenenapplaus auf. Auch für das deutschsprachige Publikum lohn es sich, weil die Gefühle, wie der Krieg die Menschen verändert, gut nachvollziehbar sind. Ein starker und eindrucksvoller Abend, den sich niemand entgehen lassen sollte.

Karten

Besetzung

Mohamed Alrashi
Khaldoun
Amal Omran
Rand

Team

Mudar Alhaggi
Dramaturgie
Rafat Alzakout
Regie
Immanuel Bartz
Produktionsleitung
Emilie Cognard
Bühne und Kostüm
Yousef Hasan
Übertitel
Sandra Hetzl
Übersetzung
Jochen Jahncke
Licht
Wael Kadour
Dramaturgie
Christin Lüttich
Produktionsleitung / Übertitel
Carola Schmidt
Sound / Video
Suzana Schönwald
Maske