Repertoire

Die Kinder unseres Viertels

Nagib Machfuz

Rupert Seidl liest und performt „Die Kinder unseres Viertels“ von Nobelpreisträger Nagib Machfuz als Fahrten durch die Viertel des Ruhrgebiets//

Zu sehen auf unserem youTube Theaterkanal.

Der ägyptische Romancier Nagib Machfuz (1911 - 2006) erhielt als erster Schriftsteller der islamischen Welt den Nobelpreis. Zur gleichen Zeit sprachen muslimische Fundamentalisten ein Todesurteil gegen ihn aus. Er überlebte schwer verletzt einen religiös motivierten Mordanschlag. Sein Roman „Die Kinder unseres Viertels“ löst die Geschichten unserer verwandten Traditionen in Judentum, Christentum und Islam von ihrer religiösen Bedeutung und befreit sie in eine Geschichte von Menschen, die den Geist hatten eine bessere Welt zu denken und die Kraft, gegen Armut, Willkür und Grausamkeit Widerstand zu leisten.

In einem Viertel der großen Stadt nahe der Wüste leben die Menschen in Armut und Elend, terrorisiert von den Wächtern der Macht. Auf den Märkten und in den Kaffeehäusern ist immer wieder die Rede von dem mächtigen Gawalabi, dessen stets verschlossenes Haus an der Grenze zur Wüste liegt. Er galt und gilt den Menschen des Viertels als der Stammvater, auch wenn er seit langen Zeiten nicht mehr gesehen wurde und längst für tot gehalten wird.

„Das ist das Haus unseres Ahnen“ sagt man sich. „Wir alle sind seine leiblichen Kinder und haben ein Recht auf seine Hinterlassenschaft. Warum aber müssen wir hungern, warum müssen wir leiden?“ So beginnen die Geschichten über die Menschen, die im Viertel durch die Zeiten in dem Versuch eine bessere Welt zu ermöglichen aufeinander folgten. Auf Adham folgt Gabal, auf Gabal Rifaa, auf diesen Kasim. Sind sie Figuren der Menschheitsgeschichte, hinter denen sich Adam, Moses, Jesus und Mohammed verbergen? Und wer ist Arafa, der mit Hilfe der Wissenschaft und der Zauberei die Zwietracht und Gewalt zwischen den "Kindern unseres Viertels" zu beseitigen trachtet?

Was verbindet uns? Welche Geschichten haben wir von Generation zu Generation weitergegeben? Welche Mythen haben unsere Biographien wie die unserer Eltern und Großeltern geprägt? In welchen Fabeln suchten wir Schutz und Selbstverstehen, in welchen Vorbildern fanden die „Kinder unseres Viertels“ Kraft und Ansporn Widerstand zu leisten?

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